Kulturschock in Asien

Seit dem 16. April bin ich in Indonesien. Die Reise lief gut und ich hatte zwei entspannte Flüge und eine problemlose Einreise. Zum Glück hatte ich einen Transfer zum Hostel gebucht, denn Jakatar ist ein Albtraum – leider nicht nur Verkehrstechnisch sondern in allen Punkten… aber das sollte ich in den nächsten 4 Tagen lernen. Blauäugig wie immer hatte ich mein erstes Hostel nämlich für ganze vier Nächte gebucht und mir gedacht in einer Metropole wie Jakatar kann man es sicher ein paar Tage aushalten… Pustekuchen. Es gibt ein paar Denkmäler, einen Haufen Tempel und angeblich auch ein Nachtleben, dazu kann ich allerdings nichts sagen. Hier gibt es kein Uber, es gibt zwei Alternativen – Gojek und Grab – die genauso funktionieren (außer auf Bali aber dazu später). In Jakatar gibt es auch ein gutes Busnetz aber um das zu begreifen, müsste man Indonesisch sprechen. In den Tagen in Jakatar habe ich so gut wie keine anderen Europäer oder Amerikaner getroffen, diese Stadt ist voll mit Einheimischen und anderen Besuchern aus asiatischen Ländern. Aber ich hatte Zeit die weitere Rute zu planen und mich mit dem Essen anzufreunden. Weiter ging es dann nach Yogyakarta, eine 16 Stündige Busfahrt später traf ich dort in meinem Hostel ein und rannte in Sofiar. Eine quirlige Portugiesin mit der ich den Tag verbrachte. Yogyakarta ist wirklich schön, es gibt ein paar Märkte und man kann Tempel besuchen, es werden Tagestouren zu verschiedenen Zielen angeboten und es gibt eine angenehme Auswahl an Restaurants und Bars. Ich entschied mich eine Sonnenaufgangstour zum buddhistischen Tempel Borobudur zu machen. Um 3Uhr am Morgen ging es los und um halb 10 war ich zurück im Hostel. Der Tempel ist sehr beeindruckend und definitiv einen Besuch wert, mit dem Sonnenaufgang ist es so eine Sache… als ich dort war, war der Himmel wolkenverhangen und der Sonnenaufgang nicht wirklich spektakulär. Der Besuch am Morgen macht Sinn, da man eine ganze Menge Stufen hinauf muss und es hier wirklich, wirklich warm ist (ich hatte bisher keinen Tag mit weniger als 28 Grad).

Beim Verlassen der Tempelanlage läuft man an einem Elefantenpark vorbei, ich habe selten etwas traurigeres gesehen. Aus Afrika war ich Elfantenfamlilien gewöhnt, die mit den Jungtieren spielen, aufeinander aufpassen, immer bei einander stehen, baden, fressen und sich bewegen. Hier bot sich mir ein ganz anderes Bild. Elefanten in einzelnen Boxen oder an Pfählen fest gemacht, mit Ketten an ihren Füßen. Die meisten mit gesenktem Kopf oder sogar den Kopf gegen ihren Pfahl stützend… ich konnte mir gut vorstellen, wie die Massen von Touristen tagsüber auf die Tiere geladen werden und diese dann immer und immer wieder im Kreis laufen müssen. Ich war froh, dass es dafür scheinbar noch zu früh war und ich es nicht sehen musste. In Yogyakarta lernte ich dann noch drei weitere Mädels kennen und abends beim essen stellten wir fest, dass einige von uns den selben Plan hatten. So kam es dass ich den nächsten Abschnitt der Reise – eine Zugfahrt nach Malang, ca. 9 Stunden – nicht allein, sondern mit einer Niederländerin und einer Belgierin bestreiten durfte. Das war auch gut so, denn einen Tag bevor es weiter gehen sollte hat es mich erwischt. Eine Lebensmittelvergiftung auf Reisen ist nicht ungewöhnlich und ehrlicher Weise hatte ich schon darauf gewartet. So lag ich also einen Tag mit den Magenkrämpfen meines Lebens im Bett, konnte weder Speisen noch Getränke bei mir behalten und wartete dass es vorbei gehen würde und obwohl es mir auch noch die nächsten drei Tage nicht wirklich gut gehen sollte, überlebte ich die Zugfahrt und war guter Dinge die nächtliche Wanderung zum Bromo (aktiver Vulkan) mit den Mädels anzutreten. Um Mitternacht ging es los, fast zwei Stunden in einem Jeep durch die Pampa. Viel wandern war (zu meinem Glück, mein Körper lief immer noch auf Wasser und einer halben Portion Reis nach 48 Stunden) nicht nötig. Wir fuhren bis kurz vor dem Aussichtspunkt, wo viele Einheimische kleine Kaffees betrieben und schon ein Rudel (hauptsächlich japanischer) Touristen wartete. Unser Guide lud uns auf Kaffee und gebackene Bananen ein, bevor es die letzten 800m bis zum Aussichtspunkt gehen sollte. Vor dem Kaffee habe ich mich gedrückt – ich liiiiiebe zwar Kaffee und es wäre bei 8 Grad auch wirklich nett gewesen aber das wollte ich meinem Magen noch nicht antun, vor allem weil der Kaffee hier nicht gefiltert wird und egal wie gut du ihn ‚abstehen‘ lässt, niemals sinkt der ganze Satz zum Boden, du trinkt immer Pulver mit … und dann hast du es den ganzen Tag zwischen den Zähnen bis es dir mal jemand sagt. Also gab es eine halbe, frittierte Banane und dann ging es nach oben. Wo bereits hunderte andere auf die Sonne warteten, wir bekamen gerade noch so einen Stehplatz mit einer guten Aussicht. Dann hieß es warten, noch ungefähr zwei Stunden bis zum Sonnenaufgang und der Platz durfte nicht mehr verlassen werden, ich war definitiv nicht dick genug angezogen und ich konnte schon fühlen, dass ich diese Banane besser nicht gegessen hätte. Aber egal – jetzt war durchhalten angesagt. Und als die Sonne sich hinter den Wolken zeigte und als sie dann den Berg beleuchtete, hatte sich das ganze gelohnt!

Das war ein Sonnenaufgang wie er im Buche steht und sobald die Sonne draußen war, war es auch nicht mehr kalt. Dadurch dass wir soweit oben waren, war es aber auch nicht zu heiß. Eine perfekte Temperatur – das erste Mal in Asien. Auf der Tour hatten wir noch zwei weitere Stopps im Krater des Vulkans und auf der anderen Seite, wo die Lava nicht hingekommen war. Als wir gegen Mittag zurück kamen waren alle gerädert und während sich die anderen am frühen Abend noch zum Essen trafen blieb ich bis zum nächsten Morgen im Bett. Ich kann mich nicht erinnern wann ich das letzte Mal so viel geschlafen habe aber es scheint, dass der Körper schon weiß was er braucht. Am nächsten Morgen war ich fit, wir verbrachten einen entspannten Tag in Malang, planten wie es weiter gehen sollte und entschieden am nächsten Tag eine Wanderung zu einem Wasserfall zu machen. Und an diesem Abend hatte ich das beste, trockene Hähnchenbrustfilet mit gedünstetem Gemüse und Pommes, das ich in meinem Leben je hatte! Für die Wasserfall-Wanderung hatte ich also tatsächlich eine Mahlzeit zu mir genommen. Dieser Wasserfall war ein Abenteuer. Mein Verständnis von Wegen für Touristen ist doch noch sehr deutsch… über provisorische Bambusstufen, durch mehr oder weniger wilde Flüsse und an weniger gesicherten Abhängen ging es eine Stunde lang durch den Dschungel bis wir einen Anblick genießen durften, den ich nur aus Filmen und von Bildern kannte – der Weg hatte sich gelohnt! Und auch die ein einhalb Stunden zurück nach oben haben wir geschafft. Leider nicht ganz unversehrt; die Holländerin hat im Fluss einen FlipFlop verloren und ist dann auch noch ausgerutscht – 2 Tage später in Bali hat sie aber eine gute Ärztin gefunden und ist inzwischen auch gut wieder zuhause angekommen.

Nach diesem Abenteuer sollten sich unsere Wege trennen, für mich ging es mit dem Zug weiter nach Banyuwangi wo ich den Ijen Vulkan besteigen wollte. Naja, wollte ist übertrieben eigentlich wollte ich nur noch an einen Strand ABER in Ijen gibt es ‚das blaue Feuer‘ und in jedem Reiseführer steht: Das muss man gesehen haben. Jedenfalls freute ich mich auf Banyuwangi, weil ich ein günstiges Einzelzimmer gebucht hatte und keinen Dorm wie die letzten Tage. Die Besitzer von dem Home Stay (wie ein kleines, privates Hotel) waren auch super lieb. Das Zimmer war sehr einfach aber erfüllte seinen Zweck und ich hatte einen wunderbaren Schlaf. Tagsüber schaute ich mir die Stadt an, kaufte mir einen neuen Tagesrucksack (der aus Afrika hatte leider nicht so eine lange Lebensdauer) und besuchte eine Agra Expo, bevor ich am Abend ins Bett ging um von 19 Uhr bis 23 Uhr zu schlafen. Um Mitternacht war Aufbruch, aus meinem Hostel kamen noch zwei coole Briten mit und dann schlossen sich noch 8 Franzosen der Gruppe an. Bei dieser Wanderung habe ich mich mehr als einmal gefragt WARUM? Warum tust du dir das an?. Im Stockdunkeln (natürlich hatte ich nicht an meine Taschenlampe gedacht, ich dachte wir würden Stirnlampen bekommen) ging es zwei Stunden einen sehr steilen Berg hoch, bevor es dann 45 Minuten in den Krater runter ging. Natürlich waren auch hier die Wege auf ‚indonesische Art‘ gesichert und natürlich drängelten sich auch hier hunderte von Menschen diese Wege hinab, manche mit mehr und manche mit weniger (hauptsächlich Japaner/ Chinesen) Geduld. Und zwischendurch musste noch Platz für die Minenarbeiter gemacht werden, die ihre Körbe auf den Schultern hinauf trugen – was ich übrigens mehr als bewundernswert finde! Ich hatte Schwierigkeiten nur mich wieder nach oben (und auch nach unten) zu befördern und diese doch eher kleinen, schmächtigen Indonesier (ja, ich bin hier eine ziemliche Giraffe) tragen die Körbe mit 80kg. Wieder oben angekommen, gab es einen weiteren Sonnenaufgang zu bestaunen bevor es wieder nach unten ging.

Dann hieß es für mich packen! Ich hatte zwei Stunden bis mich ein Fahrer mit 7 Asiatinnen in einen Bully lud und nach Bali brachte – Endlich. Es war Dienstag, mein Plan war es mich noch einmal mit der Holländerin in einer Stadt auf Bali zu treffen, bevor ich am Donnerstag mein Yoga- und Surfwochenende am Strand (Endlich wieder Strand!) starten sollte. Aber wie wir alle wissen ändern Pläne sich und obwohl ich nicht weiß woher ich die erste Lebensmittelvergiftung hatte, dem Raststätten Essen, dass auf dem Weg nach Bali serviert wurde konnte ich die Nacht über der Kloschüssel quasi schon ansehen… Wie ich aber nun mal so bin, habe ich mein Gefühl ignoriert und mit den anderen gemeinsam gegessen – war auch erstmal alles gut. Bis ich am Abend mit der Holländerin im Restaurant saß und nach meiner halben Vorspeise entschied, dass mein Gefühl richtig gewesen war. So verbrachte ich eine weitere Nacht zwischen Bett und Bad, den darauf folgenden Tag im Bett und nach dem Versuch eines weiteren Abendessens auch eine weitere Nacht zwischen Bett und Bad. Das Surf- und Yogacamp konnte ich zum Glück verschieben. Nun sitze ich in Ubud auf der Terrasse meines zweiten Hostels und freue mich, dass ich wieder essen kann. Von Streetfood werde ich, so traurig das auch ist, wohl erstmal die Finger lassen – sicher ist sicher. Hier habe ich bereits den Affenwald besucht und Morgen schaue ich mir Reisfelder an.
In Indonesien habe ich jetzt noch Zeit bis zum 16. Mai, dann läuft mein Visum ab. Das passt mir aber auch sehr gut, denn Mitte Mai bin ich auf Borneo verabredet. Der Holländer, den ich in Südafrika auf der Safari kennen gelernt habe schließt dann seine Zeit in Kambodscha ab und hat gefragt, ob wir uns treffen wollen um gemeinsam die Orang-Utans anzuschauen. Obwohl Quinten nicht wirklich jemand von zuhause ist, freue ich mich riesig auf ein ‚bekanntes‘ Gesicht und darauf mich mit jemandem auszutauschen, den ich schon ein bisschen länger als 3 Tage kenne!
Also drückt mir die Daumen fürs Surfen, ich schicke euch die Sonne Balis!

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